Aug 16th, 2012 by admin
Die Brücke (not found) – Kopenhagen

The Tour: Kopenhagen 15. 6. – 16. 6. 2012

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Das ist die Öresundbrücke. Sie verbindet Dänemark und Schweden. Es ist der Ausgangspunkt meiner Reise – dort wollte ich hin.

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Die Brücke – Transit in den Tod. Eine TV Serie, die mich stark beeindruckt hat. Kam Ostern rum im Fernsehen. Ein irrer Mörder schlägt zu und legt seine Leichen auf dieser Brücke ab, genau auf der Grenzlinie zwischen Schweden und Dänemark. Den Mörder nennt man den “Wahrheitsterroristen”. Saga Norén, Kripo Malmö und Martin Rohde, Kripo Kopenhagen ermitteln. Die Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig über die Landesgrenze hinweg.

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Das ist Saga Norén. Ein kluger Kopf, eine erstklassige Kriminalkommissarin, extrem ehrgeizig – aber im sozialen Umgang die totale Niete. Sie stößt mit ihrer ruppig direkten Art alle vor den Kopf und bringt sie zur Verzweiflung.

Warum mich das interessiert? Hier in München habe ich es mit zwei Personen zu tun, die ihr ganz ähnlich sind. Mit einer bin ich sogar verwandt. Es belastet mich und ich fühle mich so wie die armen Arbeitskollegen im Film.

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Das ist Martin Rohde. Der punktet im Film damit, dass er einen Zugang zu Saga Norén findet. Sie ist nämlich Autistin und kann deswegen den Ausdruck von Gefühlen in anderen Gesichtern nicht richtig erkennen oder deuten. Martin macht sich die Mühe, ihr all dies einfach zu erklären. Er gibt ihr so eine Art Gebrauchsanweisung für den Umgang mit Menschen in einem Team. Im Film funktioniert das.

So beschloss ich, auch hier nach dieser Strategie vorzugehen. Einen Versuch ist es wert.

Gefühlskälte, davon handelt dieser Film. Was ist los mit unserer Gesellschaft? Dass der Film im kühlen Skandinavien spielt, unterstreicht das eigentlich bloß. Zutreffend ist es aber für die Gesamtsituation Europas.

Optisch wird diese Kälte durch moderne Bildbearbeitung unterstrichen, also der Film fasziniert vor allem durch seine Bilder.

Ich hab mich mit Hipstamatic eingedeckt und mache mich damit auf den Weg.

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Ich will nach Kopenhagen, und von da aus mit dem Zug über die Brücke nach Malmö in Schweden. Vielleicht ist dann auch noch ein Abstecher nach Ystad drin, so auf den Spuren von Kurt Wallander. Zurück dann mit der Fähre, wie Wallander es tat, denn zu seiner Zeit gab es die Brücke ja noch nicht.

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Kurt Wallander, der andere Darsteller. Es gibt zwei, denn Wallander könnte wirklich jeder sein. Nicht mal Henning Mankell konnte sich für ein Gesicht entscheiden. Ystad ist überall.

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Ich bin auf meiner Tour. Nikki Sixx ist mit Mötley Crüe auf Europa-Tournee und unsere Wege kreuzen sich mehrmals.

Aber das war eine Überraschung, er war mit seiner Freundin auch einen Tag in Kopenhagen, obwohl da gar kein Mötley Crüe Konzert stattfand.

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Nikki Sixx erzählt von der Freistadt Christiania. Es ist eine alte Hippie-Kommune, noch aus Hausbesetzerzeiten. Hat aber bis heute genau so überdauert, wahrscheinlich auch, weil der dänische König schützend seine Hand darüber hält.

Ich sitze in Düsseldorf im Hotel und guck im Reiseführer, wie man nach Christiania kommt. Am Tag saßen wir alle zusammen am Bahnhof und diskutierten über Christiania. In Düsseldorf gibts sowas ja auch, die Kiefernstraße und die Theodorstraße.

Hausbesetzer gab es in den 70ern sogar in München. Die haben mich damals aber rausgeschmissen, die mochten meine schwarzen Klamotten nicht.

Dann traf ich Johnny Rotten, der mochte die Hippies auch nicht. Das war die Geburtsstunde vom Punk.

Hmmm, was Nikki Sixx wohl da gesehen hat? Gibt es in Amerika eigentlich vergleichbares? Na, ich werds ja sehen.

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So. Jetzt bin ich in Kopenhagen. Ich bin spät abends angekommen. Mein Hotel ist ein Kabinenhotel. Alles zum ausklappen, das Bad eine Plastik-Box und schmutzig. Ich dachte, das gibt es nur in Tokyo? Dafür ist es so teuer wie eine Fünf-Sterne-Suite anderswo. Nee, echt jetzt, in Düsseldorf hatte ich eine ganze Suite, die kostete weniger als das!

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Blick aus dem Hotel am Morgen. Es ist in Frederiksberg, etwas außerhalb.

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Kopenhagen hat eine ziemlich neue Metro. Sieht ja echt schick aus!

Aber Schock! Hab ich richtig gerechnet? Ein simples Ticket in die City 5 Euro???

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Sicherheit wird hier groß geschrieben. Die Bahnsteige sind hinter Glas und die Türen öffnen sich erst, wenn der Zug eingefahren ist.

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Die Züge sind vollautomatisch und führerlos. Man kann sich vorne hinsetzen und rausgucken. So sieht dann so ne Station von innen aus.

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Christianshavn. Also, guten Morgen Kopenhagen. Ich sitz hier grad draußen beim Frühstückskaffee.

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Christianshavn ist durchzogen von einem weiten Kanalnetz.

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Auf der anderen Seite stehen so alte Speicherhäuser. Die sehen ganz interessant aus. Aber wie kommt man da hin?

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Christiania!

Ich komme von hinten, eine ganze Straße voll mit Graffitti. Toll!

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Sogar das Auto…

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… und eine Rose, die aussieht, als wäre sie von Jovan tätowiert. Da bin ich in Gedanken sofort wieder bei der Theodorstraße.

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Hausbesetzer.

Mann, ist das lange her!

Dies hier hat im Dornröschenschlaf überdauert.

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In Christiania ist fotografieren verboten. Kann ich gut verstehen, denn die Leute leben ja da. Die wollen bestimmt keine Touristenattraktion sein. Und Touristen gibts dort leider mehr als genug.

Dies ist eine Seitenstraße, frühmorgens, da haben wohl noch alle geschlafen.

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Noch ne Seitenstraße. Weiter hinten ist ein buddhistischer Tempel. Der erinnert mich wirklich an Hippiezeiten.

Ich sitze hier auf einer Bank und meditiere. Es ist wie ein Deja-vu, ich begene meiner eigenen Vergangenheit.

Nein, aber leben möchte ich so nicht mehr.

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Nochn Deja-vu!

Hier waren Nikki und Court vor ein paar Tagen.

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Draußen, nicht weit, ist diese Kirche mit dem markanten Turm, der aussieht wie eine Schraube.

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Im Zickzackkurs bin ich jetzt da gelandet, wo ich die Speicherhäuser entdeckt hatte.

Toller Platz zum sitzen, ich singe spontan: “Sittin on the dock of a bay…”

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Wasser & Kran

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Wasser & Kran & Schiffe

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Tolles Segelschiff!

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Mastenwald

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Bei den Speicherhäusern

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Leider sind die alle luxussaniert, da ist nicht mehr viel vom alten Hafen-Feeling.

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Da parken nur fette Mercedesse und drinnen sind teure Büros.

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Auf zum Strand!

Von hier aus kann man die Brücke sehen. Zuvor hatte ich vergeblich Kastrup durchstreift, um wenigstens in die Nähe zu kommen. Aber es ist zu weit weg. Ich bin pleite und das Zugticket über den Öresund kann ich mir erst recht nicht leisten.

Es sollte also nicht sein. Was das wohl für ein Omen ist? Bestimmt kein gutes.

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In die andere Richtung das. Ha! Das kenn ich, das war im Film oder bei Wallander… die ganz typische Krimikulisse (da werden Entführungsopfer versteckt!)

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Windräder überall. Ich mag die Dinger.

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Strand. Na ja, ich musste noch ne Jacke anziehen. Nix mit baden.

Nikki ist ja hineingesprungen… wenn er das überhaupt ist auf dem verschwommenen Foto im Dunklen, das ich sah…

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Tibeter demonstrieren.

Nicht weit davon ein Staatsbesuch mit Karossen und Tamtam.

Vielleicht aus China, denk ich mir so.

Es laufen jedenfalls chinesische Geschäftsleute vorbei, die machen voll hilflos irritierte Gesichter.

Klar, über Tibet kriegen die in China nix gesagt.

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Free Tibet!

Wahrscheinlich leben viele Exil-Tibeter in Christiania. Dazu würde dieser Tempel passen.

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Die JORCKS PASSAGE am Stroget.

Kopenhagen ist für schicke Leute gemacht.

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Der Rest wird gnadenlos abgerissen.

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Norreport. Da kreuzen sich dir Züge, und ich bekomme so eine Ahnung, dass es hier auch normales Arbeitervolk geben muss. Wahrscheinlich ganz weit draußen.

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Mit der Metro nach Örestad. Jetzt wirds richtig kalt. Seelisch, mein ich.

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Örestad ist ein Architektur-Eldorado.

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Es ist eine riesige Trabantenstadt.

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Da steht ein Parkhaus hinter der schicken Fassade. Manche Teile sind abgeriegelt – na, kein Wunder bei solchen Autos.

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Aufzug kann ich vergessen. Aber da ist eine Feuertreppe, zwölf Stockwerke hoch. Da bin ich rauf.

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Durchguck im Parkhaus.

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Panorama von oben. Universitätsgebäude mit Windrad.

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Panorama von oben. Blick auf Kopenhagen.

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Hier wohnen die Leute im Schaukasten. Natürlich nur Leute, bei denen vom Garderobehaken bis zur Unterhose alles durchgestylt ist. Man kann ja alles sehen.

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Die Wohnungen hier sind richtig teuer. Diese hier ganz besonders, weil die dreieckigen Balkone so berühmt sind.

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Hedgefonds… Kurt Wallander versucht zu verstehen, was das ist. Es gelingt ihm nicht. Mir auch nicht.

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So richtig fertig ist das hier alles noch nicht. Bauboom.

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Das ist bestimmt auch von so nem Star-Architekten.

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Die Menschen vor der Shopping Mall kommen mir so klein und verloren vor.

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Am Ende des bebauten Geländes stehen Einkaufswagen.

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Das ist die Shopping Mall. Riesig.

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Genug. Ich fahr jetzt wieder zurück.

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Hellastad.

Ich hab beschlossen Örestad umzutaufen.

Öre – das ist sowieso ein Witz! Die Leute hier bezahlen mit der goldenen Master-Card.

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Nyhavn. Da ist Flamenco Touristica. Es wird vor Taschendieben gewarnt.

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Zurück im Kabinen-Hotel. Dann Flug nach München. Dann kommt erst mal Mötley Crüe in Bamberg. Meine Eindrücke müssen erst mal warten. Doch es gärt im Untergrund.

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Die Brücke nicht gefunden.

Das Konzept von Martin Rohde hat nicht funktioniert.

Bleibt der wahnsinnige Mörder.

Und eine Gesellschaft, die solche hervorbringt.

Für mich ist es Zeit zu gehen, da ist kein Platz für mich. Und wenn ich bis nach Afrika gehen muss.

Ich möchte mich aber auch in Zukunft noch im Spiegel selbst betrachten können.

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Nachtrag.

Henning Mankell macht einen Fehler.

Motten unter Schreibtischlampen kommen in Schweden im Januar nicht vor.

Jetzt weiß ich es: Mankell ist Afrikaner. Er ist gar nicht mehr zuhause in Schweden. Es sind auch nur Eindrücke eines Reisenden, die er da schreibt.

Genau. Und nicht anders ist dies Fotoalbum auch. Der Eindruck eines Reisenden.

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